Die Geschichte des Korsetts

von Ch. Fahrenkrog-Petersen

Die Vorläufer des Korsetts in der Antike

Die Anfänge der Korsetts reichen bis zu der Zeit der Griechen und Römer zurück. Zu dieser Zeit wurden Bänder und Gürtel eingesetzt um die Taille und Brust zu formen. Diese Bänder und Gürtel hießen: Cestus. Capitium, Cingulum, Fascia, Taeniae, Mamillare bei den Römern. Die Griechen nannten sie Strophium, Zona und Apodesma.

 

Cestus

Den Cestus trug man niedriger als das Cingulum und höher als die Zona. Schriftsteller und Dichter beschreiben ihn als den Gürtel der Venus, welcher die Fantasie mit Liebesfreuden und Liebesschmerz ausschmückte.

 

Capitium

Das Capitium trug man am oberen Teil des Körpers. Es bedeckte ihn auch vollständig. Es dient zur Verschönerung der Brust und es wurde nur von gewöhnlichen Frauen getragen. Man trug es über dem Hemd.

 

Fascia

Das Fascia war ein breites Band, welches durch den Druck die Brüste zusammenhalten sollte. Er diente zur Kaschierung. Die Fascia hatte verschiedene Länegen und wurde direkt am Körper angelegt.

 

Taeniae

Die Taeniae trug man um die Taille und sie war auch eine Art Fascia. Sie wurde nur von jungen Mädchen benutzt und auf dem bloßen Körper getragen.

 

Mamillare

Die Mamillare war ein Gürtel aus Leder. Er wurde benutzt um die Brust zu umschließen und zusammenzuhalten.

 

Strophium

Das Strophium wird über dem Hemd getragen und wurde ausschließlich von Frauen genutzt, die keine schweren Arbeiten verrichteten. Außerdem wurde dieser Gürtel als Tasche genutzt für private Gegenstände.

 

Zona

Die Zona bildete den Leib- und Taillengurt. Von Schriftstellern und Dichtern wird er auch als jungfräulichen Gürtel bezeichnet und dass es bei den Römern ein Brauch war die Zona in der Hochzeitsnacht abzunehmen.

 

Apodesma

Die Apodesma war ein Band, welches die Brust halten sollte. Später wurde es Sthedodesma genannt. Es hat den selben Zweck wie die Fascia und scheint das griechische Wort für Fascia zu sein.

 

Das Korsett im Wandel

Es traten wesentliche Veränderungen der weiblichen Mode in Erscheinung, nachdem das römische Reich verfallen war. Man huldigte einer neuer Mode, die von der antiken Mode völlig abweichen sollte. Doch die Mode zeigte wenige Abweichungen bis zum Jahre 1000.

Als Frankreich im 12. Jahrhundert die führende Rolle in Sachen Mode übernahm, nahm der Kleiderluxus der Menschen so überhand, dass es den normalen Bürgern verboten wurde, sich so zu kleiden wie die Adligen und Edelleute. Frankreich behielt auch die führende Rolle der Mode bis zum heutigen Tag.

Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Mode eingeführt die Brust zu entblößen und dabei spielte das Korsett eine wichtige Rolle. Das Korsett passte sich genau der Taille an und wurde in der Brust hochschnürend gearbeitet. Man konnte es entweder vorne oder am Rücken  mit Ösen verschließen. Dieses Korsett gab es in den verschiedensten Arten von Stoffen.

 

Renaissance

Mit der Renaissance kamen die ersten Korsett aus Eisen (in frz: Corset en fer) in Mode. Sie waren den Burstharnischen von Ritterrüstungen ähnlich. Natürlich waren derartigen Kleidungsstück dem Adel vorbehalten. Die Rückseite wurde auch von Bänder zusammengehalten. Auch wenn die Anfertigung sicherlich mehr in Händen eines Schmieds lagen als eines Schneiders. Diese Korsetts bildeten ein Art Panzer, weil sie den Körper bis zu den Hüften fest umspannten. Man glaubte, dass Männer und Frauen den gleichen Körperbau besitzen, bloß die Frau war eine minderwertige Variante des Mannes. Durch diese Ritterrüstung ähnlichen Korsetts versuchten sie sich dem Ideal anzunähern.

 

 

Das Gebrauchen eines Korsetts wurde im 15. Jahrhundert üblicher.  Die Frau von Karl VII. trug ein Korsett, welches die Brust sehen ließ. Ab diesem Zeitpunkt gab es dekolletierte Korsetts, welche es bis heute gibt. Diese brustfreien Modelle waren meist stark verziert.

 

 

 

 

Ende des fünfzehntes Jahrhunderts wechselte die Mode und es wurden die Basquine und Vasquine am Spaniens Hof modern. Hierbei handelte es um steife Oberteile, die nach unten spitz zu laufen. In diese Kleidungsstücke wurden schon Hölzer, Fischbein, Stahlstäbe, Rohr, Elfenbein und Metallteile eingenäht. Natürlich hatten die Frauen, die diese Mieder trugen, ein sehr steifes Auftreten, welches teilweise lächerlich wirkte, was natürlich viele zeitgenössische Dichter zu spöttischen Reimen veranlasste.

Die Frauen trugen zusätzlich zum Korsett ein „Büste“. Diese Büste bestand aus Fischbein und Stahleinlagen und wurde an der Basquine befestigt. Am Anfang wurde die Büste einfach gehalten, doch später wurde sie ein Gegenstand von großem Luxus.

Karl IX von Frankreich war gegen den Gebrauch von einer Basquine. Er erließ dagegen strenge Befehle und Gesetze, hatte damit aber nicht besonders viel Erfolg.

 

 

Teilweise waren es nur nur Hölzer, sondern ganzen Platten wie in Abbildung 15 zusehen.

 

Um 1500 kam in Spanien das Vertugadin auf. Dies war ein Leibchen mit Rockschoß und es wurde unter der Taille getragen. Später entstand daraus der Reifrock.

Aus dieser Mode entwickelten sich langsam die Modelle die den heutigen Korsetts langsam ähnlicher aussehen.

Zum Ende des 16. Jahrhunderts hatten alleine Schneider das Privileg Kleidung und damit auch Korsetts zu fertigen. Mit der Zeit änderte sich auch der Schnitt. Während man bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Brüste zum größten Teil vom Korsett verschonte, wurde später auch der Busen eingeschnürt. Das Korsett sollte nun einen regelmäßigen, symmetrischen Kegel bilden, der nach unten spitz zuläuft. Die Taille wurde mit fächerförmig angeordneten schmalen Streifen aus Fischbein, Rohr oder Stahl verstärkt. Das Rückenteil war offen und mit einer Schnürvorrichtung versehen. Dieser starke Kegel umfasste den gesamten Oberkörper von der Hüfte hinauf zu den Schulterblättern. Geschnürt wurden diese von unten nach oben. Diese Korsetts verursachten teilweise große Schäden durch das übermäßige Schnüren.

 

Unter Heinrich IV. artete der Luxus der Mode so sehr aus, dass er 1601 ein schweres Edikt dagegen erließ, welches allen Untertanen untersagte, weder Perlen, Gold, Edelsteine noch Silber an Kleidern und Korsetts anzubringen. Es hatte zur Folge, dass lächerliche Bekleidungsformen entstanden. Auch das Korsett erhielt ein groteskes Aussehen. Maria von Medici kleidete sich damit.

 

Barock und Rokoko

 

Zu dieser Zeit war Paris das Modezentrum in Europa und hat diese Stellung teilweise bis heute erhalten. 

Mazarin erließ im Jahre 1644 weitere Edikte gegen das Schmücken von weiblicher Mode. Diese wurden später von Ludwig XIV. erneuert. Außerdem erließ er noch 10 weitere derartige Gesetze.

Anfang des 17. Jahrhundert durften nur noch Frauen weibliche Personen bekleiden. Die ersten Modistinnen erhielten 1675 die Erlaubnis eine Innung zu bilden.

Modern in dieser Zeit war die sogenannte „Schneppentaille“ und durch die Schneppentaille veranlasst, bildete das Korsett der damaligen Zeit einen symmetrischen, regelmäßigen Kegel, dessen Spitze nach unten gekehrt ist. Es ergab sich eine übermäßig lange Taille. Die Taille wurde mit schmalen Stäben aus Fischbein, Rohr oder Stahl verstärkt. Der Rücken des Korsetts war offen und wurde mit einer Schnürvorrichtung versehen. Das Korsett besaß meist Achselbänder. Geschnürt wurde dieses Korsett von unten nach oben, in der Taille jedoch am stärksten. Denn nur durch eine sehr dünne Taille konnte man mit der Schneppentaille Erfolge erzielen. Zum Schnüren des Korsetts brauchte man eine zweite Person als Hilfe. Wenn diese zweite Person jedoch nicht vorhanden war, fanden die Damen andere Wege für die gewünschte Taille. Sie befestigten die Bänder an einer Türklinke und stemmten sich dagegen.

Die Schneppentaille verbreitete innerhalb kürzester Zeit auf dem ganzen Kontinent.

 

Bis zum 18. Jahrhundert wurde die Korsetts dann vorwiegend von Kostümschneider gefertigt, die sich auch teilweise schon als Korsettschneider bezeichneten. Sie machten Korsetts aus Fischbeinen und es wurden nun auch viele Korsetts aus weißen Drellstoffen gefertigt. Außerdem machten sie auch Leibchen für halberwachsene Mädchen und Kinder.

Voltaire, der große französische Dichter und Philosoph, soll von einer Dame gefragt worden sein, was er von Korsetts hält. Es soll geantwortet haben, dass er Korsett für Frauen für unentbehrlich halte, das Korsett bändigt die Starken, stützt die Schwachen, hebt die Gefallenen und ersetzt Abwesende.

Er führte weiter aus, dass Korsett die starke Brust und Bauch bändige, schwache Frauen, die sich nicht aus eigenen Stücken nicht gut aufrecht halten könne, durch das Rückteil des Korsetts stütze, durch irgendeine Veranlassung, sei es Alter, Krankheit usw. gefallene Brüste hebt, bzw. in die frühere Lage bringt und einen nicht vorhandenen Busen künstlich ersetzt. In seiner spöttischen Art hat er damit sicherlich schon viele wichtige Eigenschaften eines Korsetts zusammengefasst.

Fischbein-Korsetts fanden nur immer mehr Verbreitung, dass sich der Verbrauch von Walfischbein zur Versteifung von Korsetts sich enorm steigert. So dass 1722 die Niederlande sogar eine Anleihe herausgab, damit sie mit den Einnahmen die Fischbein-Fischerei fördern konnte.

Im Jahr 1770 erschien eine Schrift in der es hieß, dass es gegen die Gesetze der Natur verstößt dem Menschen Qualen zuzufügen und ihn zu verunstalten mit dem Vorwand ihm eine schöne Form zu geben.

Daraufhin ließ ein Korsettfabrikant eine Broschüre erscheinen, in der er auf die Vorwürfe antwortete. Er schrieb, dass das Korsett keine schädlichen Auswirkungen hat, solange es richtig verarbeitet ist und man es richtig gebraucht. Er verwies auf die Vorteile eines Korsetts und das es Damen einen schönen Wuchs verleihen kann. Er empfiehlt den Gebrauch des Korsetts nach vernünftigen Grundsätzen. Er verwirft das übermäßige Einschnüren der Frauen, da es schädlich und unschön ist.

Gegen das Ende der Regierungszeit von Friedrich den Großen wurden die Korsetts immer kostbarer und opulenter ausgestattet. In der Zeit danach blieb es bis zur französischen Revolution unverändert.

 

Die weibliche Mode unter Marie Antoinette um das Jahr 1785 hatte unter den Launen der Königin wesentliche Veränderungen erfahren. Der Reifrock und Panier wurde abgeschafft, dafür aber polsterte man nun die Hüfte und trug den „Postische“. Die Mode wurde etwas schlichter und weniger prunkvoll Sie affektierte eine Einfachheit in der Mode.

 

Das industrielle Zeitalter 

In den Zeiten der französischen Revolution kam das Korsett vorübergehend aus der Mode. Man neigte zu schlichterer Kleidung. Die Unterkleider verschwanden fast ganz.

Bis zum Jahre 1792 hat sich besonders in der weiblichen Mode eine Veränderung vollzogen. Das Fischbeinkorsett, die Reifröcke, die Puderhaartrachten usw. wurden abgeschafft.

Das Handwerk verlor zunehmend seine Bedeutung, da es nun Maschinen und Fabriken gab, die diese Aufgaben erledigten. 1770 entwickelte sich die Textilindustrie weiter durch Web- und Spinnmaschinen. Die Textilien wurden von nun an in Massenproduktion gefertigt. Es entstand das klassische Arbeitnehmer und Arbeitgeber Verhältnis.

In dieser Zeit benutzte man ein Korsett mit dem Vorbild der Antike. Man trug einen breiten Gürtel, der Ähnlichkeit mit der griechischen Zona hatte, jedoch höher gearbeitet war. Man trug ihn unter einem dekolletieren Kleid. Und der Gürtel zeigte die obere Hälfte der Brüste.

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam das Korsett wieder in Mode. Das Korsett war am Rücken kurz und es wurde vor allem der Busen sehr hochgeschnürt, gleichzeitig war das Korsett oben tiefgeschnitten, so dass der Busen präsentiert wurde. Starke Damen hatte darin ein eigenartiges Aussehen.

 

 

Nur kurze Zeit war die Blümchen Mode modern und jedes Kleidungsstück wurde mit Blümchen verziert. Um 1810 macht ein Korsett Aufsehen, da es durch ein eigenartiges Planchet vorne zusammengehalten wurde.

In der damaligen Zeit schreckten die Damen für ein Korsett vor keinem Preis zurück. 1865 entsprachen selbst die billigeren Korsetts dem Wochenlohn einer Fabrikarbeiterin.

Nach den Befreiungskriegen wurde das Korsett unten und oben verlängert. Die Brüste wurden eingehüllt und das Korsett wurde zur Versteifung mit stärkerem Fischbein verstärkt. Außerdem wurden schwerere Stoffe verwendet. Diese Korsetts waren sehr unbequem und wurden zusätzlich mit Schulteransätze versehen. 

Karl X von Frankreich war kein großer Freund der damaligen Korsettmode. Er soll einmal gesagt haben, dass man heutzutage nur noch Wespen antrifft. Davon leitet sich auch der Begriff „Wespentaille“ ab, der bis heute verwendet wird.

 

 

Im Jahre 1820 hatte die Korsettfabrikation einen großen Aufschwung. Man begann das Korsett industrieller zu fertigen. Daraufhin gab es zahlreiche Neuerungen, darunter verschiedene Verbesserungen des Korsetts und der Bestandteile des Korsetts. Es entstand auch eine ganz neue Form des Leibchens, welches „Faulenzer“ genannt wurde, da es sehr bequem war.

Die Restauration nach dem Sturz von Napoleon hatte keinen Einfluss auf die weibliche Mode. Das änderte sich als Napoleon III. und seine spanische Frau die Regierung übernahmen. Die Mode wurde am Anfang etwas prunkvoller und eine altes Kleidungsstück erschien neu – die Krinoline.

Nach der Eroberung des Sommerpalastes des Kaisers von China kam es auch in China und Japan in Mode. 

In Paris gab es einige Spezialhäuser, die lediglich für den Export arbeiteten und keine Damenkundschaft besaßen. In jeder Saison fertigten diese Spezialhäuser ca. 50-200 Modelle. Diese Modelle waren oft den Ideen der Modeateliers nachempfunden.

Das Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts war eine Taille von 40 cm zu besitzen. Die Taille sollte zerbrechlich wirken und der Körper sollte die Form einer Sanduhr besitzen. Doch zu enges schnüren wurde abgelehnt, da man wusste was dabei für gesundheitliche Folgen entstehen können. Das Korsett wurde unter dem Kleid getragen und man zeigte fast nie Dekolleté, nur zu Abend Veranstaltungen. Das Korsett dieser Zeit war ein relativ langes Korsett und hatte eine geschwungene Form, deshalb wurde es auch Sanduhrenkorsett genannt. Die Korsetts waren leichter, als die aus dem letzten Jahrhundert, da man weniger Fischbeinstäbe benutzte. Man schnürte das Korsett in der Regel am Rücken. 1828 wurden die Metallösen von der Industrie erfunden und es entstand ein neuer Frontverschluss beim Korsett. Nun konnten die Damen ihr Korsett selber verschließen und brauchten keinen Helfer mehr.

 

 

Danach kam die Kürass-Taille in Mode. Sie lag etwas höher als die natürlich Taille und war um einiges länger. Das Korsett reichte außerdem sehr weit über die Hüfte. Diese Korsetts haben das heutige Bild des Korsetts zunehmend geprägt.

 

 

Die Taille rutschte 1890 wieder ein Stück tiefer. Die Korsetts wurden wieder farbenfrohe und es wurden mehr verschiedene Materialien verwendet. Es gab noch viele verschiedene Arten von Korsetts für verschiedene Anlässe.

Ungefähr im Jahre 1900 kam ein neues Korsett in Mode. Dieses Korsett hatte eine grade Front. Der Oberkörper wurde leicht nach vorne gedrückt und der Unterleib dafür weit nach hinten. Dadurch entstand ein Hohlkreuz. Diese Korsetts sollten die neuen gesünderen Korsetts sein. Die Atmung wurde wesentlich verbessert und der gerade Frontverschluss übt wenig Druck auf die inneren Organe aus. Doch durch die unnatürliche Haltung des Körpers entstand eine Versteifung.